ICH • DU • WIR ALLE
Erster Landesweiter Austausch der Kreisobleute in Ulm
Unter dem Motto des 63. Landesinnungsverbandstages lud der Landesinnungsverband zur ersten landesweiten Obleutetagung am 16. Oktober 2025 nach Ulm ein.
In diesem Erfahrungsaustausch wurde über die aktuellen Entwicklungen im Schornsteinfegerhandwerk informiert und in den gemeinsamen Austausch gegangen. In verschiedenen Projektgruppen wurden die künftigen Entwicklungen diskutiert und neue Wege aufgezeigt. Tenor sollte immer sein: Die Zukunft können wir nur gemeinsam gestalten. Dazu wurden alle bekannten Kreisobleute, die von den Innungen genannt wurden, nach Ulm eingeladen, um am Vortag des 63. Landesinnungsverbandstages in vier verschiedenen Arbeitsgruppen Zukunftsthemen zu diskutieren und möglichst praxisgerecht umzusetzen.
Bevor die Obleute in vier Arbeitsgruppen verteilt wurden, begrüßte LIV-Präsident Stefan Eisele die angereisten Obleute zu dieser wichtigen Veranstaltung. Der komplett anwesende LIV-Vorstand unterstrich die Bedeutung dieser ersten landesweiten Obleutetagung, die in gewissen Abständen wiederholt werden soll.
Folgende Projektgruppen wurden gebildet:
- Verband unter der Moderation von OM Martin Katz
- Betriebe unter der Moderation von OM Thorsten Badent
III. Ausbildung unter der Moderation von Vorstand Bernd Walter
- LIV & Internat unter der Moderation von OM Karl-Rainer Kopf
Gruppe I
Fragestellung:
Wozu braucht es 2035 eine Schornsteinfegerinnung? Was muss getan werden, damit auch im Jahr 2035 noch eine Mitgliederdichte von über 95% erreicht wird?
Obermeister Martin Katz führte in das Thema ein und resümierte: Mehr 95% Mitgliedschaft im Berufsverband ermöglichte es, dass das kleine Schornsteinfegerhandwerk mit einer Stimme spricht. Auch haben wir dadurch die finanziellen Möglichkeiten, die Interessen des gesamten Berufstandes kraftvoll und erfolgreich nach außen zu vertreten. Wir sind überzeugt davon, dass das Wohlergehen des Gesamthandwerkes auf unserem starken Berufsverband gründet. Dazu hatten sich alle Teilnehmer die Fragen gestellt, weshalb man Mitglied in einer Schornsteinfegerinnung ist, was die Aufgaben des Berufsverbandes sind und welche zukünftigen Anpassungen erforderlich sind.
Aufgaben des Berufsverbandes und Erwartungen an diesen:
- Zusammenhalt fördern
- Tarifgeschehen
- Berufliche Weiterbildung
- Technischer Support
- Hoheitlichen Bereich stärken
- Coaching von Neumitgliedern
- Kontakte in die Kreise und deren Einbeziehung stärken
- Interne Kommunikation verbessern, damit die Transparenz für die Tätigkeit des Berufsverbandes sichtbarer wird
Bei dem Thema der möglichen Beitragsstrukturen herrschte unter den diskutierenden Teilnehmern Uneinigkeit. Über das Festhalten an gleichen Beitragshöhen oder differenzierten Beiträgen, z.B. nach Lohnsummen, wurde trefflich diskutiert.
Gruppe II
Fragestellung:
Wie müssen Betriebe aufgestellt werden?
Durch die Diskussion führte Obermeister Thorsten Badent, wobei er zu Beginn der Runde eine aktuelle LIV-Umfrage unter Mitgliedern vorstellte.
Hier wird aufgezeigt, was das Handwerk in Baden-Württemberg bereits zusätzlich anbietet und was die Mitglieder künftig anbieten wollen, bzw. inwieweit Schulungsbereitschaft vorhanden ist. Leider war die Beteiligung an der landesweiten Umfrage unter den Kollegen nicht von großer Beachtung geprägt. An dieser Stelle wurde aufgerufen, künftig stärker an derartigen Umfragen teilzunehmen. Die Teilnehmer wünschten sich für die Zukunft nachfolgende Veränderungen:
- Abnahmen an Wärmepumpen
- Kernaufgaben nicht aus dem Fokus verlieren
- Wärmeerzeugerkataster
- Feuerstättenreinigung
- Rhetorikausbildungen
- Lüftungsanlagen in den Feuerstättenbescheid
- Über Rauchrohre im Feuerstättenbescheid und Erstmessungen an neuerrichteten Einzelraumfeuerstätten wurde kontrovers diskutiert.
Einigkeit herrschte in der Einschätzung, dass der hoheitliche Bereich der Schornsteinfegerbetriebe die „Eintrittskarte“ in die Gebäude und die „DNA“ des Schornsteinfegers sind.
Gruppe III
Fragestellung:
Was müssen wir ändern und warum?
LIV-Vorstand Berufsbildung Bernd Walter zeigte die Herausforderungen und Chancen für das Schornsteinfegerhandwerk.
Die Herausforderungen:
- Neue Technologien der Wärmeerzeugung
- Neue gesetzliche Regelungen
- Wenige klassische Tätigkeiten
- Änderungen der Geschäftsfelder
Die Chancen:
- Unterstützung der Politik bei der Umsetzung neuer Vorgaben
- Ideengeber und Gestalter sein
- Modernisierung des Berufsbildes
- Entwicklung neuer Tätigkeitsfelder
- Erweiterungen der Fachkompetenzen
Bei der Erstellung der neuen Ausbildungsverordnung war von besonderer Bedeutung, dass weitere Kompetenzen in den Bereichen Energieeffizienz, Lüftungstechnik, Brandschutz, Kommunikationsfähigkeit und kundenorientierte Auftragsabwicklung erworben werden können. Dies würde den Ausbau des Dienstleistungsangebotes ermöglichen, was zur Sicherstellung der Zukunftsfähigkeit des Schornsteinfegerhandwerks beiträgt. Diese neue Ausbildungsverordnung sieht auch eine Ausweitung der ÜBA auf 13 Wochen vor. Die Ausweitung der ÜBA stellt den Landesinnungsverband vor große Aufgaben, da aktuell für die Mehrwochen keine Übernachtungsmöglichkeiten für die Auszubildenden im Internat zur Verfügung stehen. Weiter wurde die Zwischen- und Gesellenprüfung neu strukturiert.
Konkrete Anregungen aus der Tagung waren:
- Über Ausbildungsthemen auch in den Kreisen informieren
- Prüfungsrelevante Themen besser hervorheben
- Raumprobleme im Internat ggf. mit Containern oder langfristigen Hotelanmietungen verbessern
- Zukauf der benachbarten Immobilie der Handwerkskammer
- Etwa ¾ der Teilnehmer würden eine Sonderumlage zur Finanzierung einer Immobilie akzeptieren
- Was passiert mit weiteren Investitionen, wenn die Ausbildungszahlen wieder stark zurückgehen sollten?
- Tagesschulungen für Ausbilder anbieten
- Abstimmung der Prüfungskommission in manchen Bereichen
Gruppe IV
Fragestellung:
Wie steht es um die finanzielle Situation des LIV und Bildungswerk? Was ist der Stand bei der Internatssanierung?
Vizepräsident und Vorstand Finanzen Karl-Rainer Kopf begrüßte die Kollegen und öffnete seine Präsentation über die Finanzstrukturen des LIV und des Bildungswerks. Grafisch stellte er die Haushaltsentwicklung des LIV und auch die finanzielle Entwicklung der ÜBA dar. Das Bildungswerk sowie der LIV entwickeln sich auch finanziell positiv.
Die Finanzierung des Umbaues des Internates mit einem Gesamtvolumen von rund 4 Mio. Euro steht ohne finanzielle Einbeziehung der Innungsmitglieder. Hier ist ein striktes Ziel, dass der Finanzrahmen eingehalten wird. Nach den trockenen Zahlen führte Karl-Rainer Kopf die Obleute durch die Baustelle und die bereits fertiggestellten Zimmer, die nun allesamt mit Bad und neuen Möbeln ausgestatten wurden. Neue Fenster sind bereits überall montiert und die offenen Lernbereiche werden dort errichtet, wo sich bisher die Sanitärbereiche befanden.
Zum Ende der Obleutetagung erfolgte die Zusammenfassung durch Präsident Eisele verbunden mit dem Versprechen des LIV-Vorstandes, die Anregungen aus den Arbeitsgruppen und der zahlreichen Gespräche nicht verpuffen zu lassen und alles in die Entscheidungsfindungen der gewählten Ehrenamtsträger einfließen zu lassen.
Der Slogan ICH l DU l WIR ALLE zog sich durch die gesamte Tagung, die bewusst unmittelbar am Vortag des Landesinnungsverbandstages durchgeführt wurde. Die meisten Obleute blieben zur Mitglieder Versammlung in Ulm. Vielen Dank an alle, die sich sehr engagiert eingebracht haben.
Volker Jobst




